Autor Thema: Karl May  (Gelesen 4468 mal)

conri21

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Karl May
« am: September 16, 2011, 11:28:31 Vormittag »
Rojbash hevalno,

Ich bin ein Fan von Karl May und einige seiner Geschichten spielen ja in Kurdistan.
Oft lässt er seine Helden in der Sprache des Landes sprechen und ich wollte mal fragen ob ihr mit seinem Kurdisch etwas anfangen könnt, (der Roman wurde vor ca 100 Jahren geschrieben und es ist auch Arabisch dabei)

Zitat:

»Chodeh t'avezschkeht; aaleik sallam, u rahhmeth Allah - Gott bewahre dich; der Friede und die Barmherzigkeit des Herrn sei mit dir!«
Scheich Melef, zu dem ich diese Abschiedsworte sprach, reichte mir die Hand von seinem Schimmel herüber. Der dünne Bart zuckte um seine schmalen Lippen, und die Haut seiner Augenwinkel legte sich in die kleinen Fältchen, die mir so wenig gefallen hatten.

»Az kolahme tah; bu kalmehta ta siuh taksihr nakehm; atina ta, Ansziallah, theira - Ich bin dein Diener; ich spare nichts, um dir zu dienen; gebe Gott, daß dein Besuch ein glücklicher sei!« antwortete er.

Dabei drückte er mir sehr freundschaftlich die Hand, und ein Seitenblick sagte seiner Begleitung, daß auch sie sich jetzt zu verabschieden hätte.

»Chodeh scogoletah rast init - Gott stehe dir in deinem Vorhaben bei. Chodeh ezsch tah razschibiht - Gott sei zufrieden mit dir. Chodeh da-uleta ta mazen bekeht - Gott vermehre deinen Reichtum. Sallam aaleïk, jahrimen ahziz -Friede sei mit dir, mein teurer Freund!«

Diese und ähnliche andere Rufe erklangen um mich her, während sich gegen zwanzig Hände bemühten, meine Rechte zu drücken....

was meint ihr? stimmt das Kurdische?

silav û rez
Conri

Offline Shari

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Re: Karl May
« Antwort #1 am: September 16, 2011, 20:24:21 Nachmittag »
Hallo liebe Conri,
das ist sicher richtig, nur wieder einmal, so geschrieben, wie es gesprochen wurde. Deshalb sieht es im ersten Moment befremdlich aus.
Z.B.: Chodeh - Xwedê - Gott, oder: Az kolahme tah - ich bin dein Diener - ez xulamê te...
Das andere kann ich jetzt so nicht beurteilen, wird sicher das Gleiche sein.
Liebe Grüße
Shari

Offline xerib

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Re: Karl May
« Antwort #2 am: September 17, 2011, 10:19:13 Vormittag »
Ja, Shari hat recht,
die freie Übersetzung stimmt, nur wurde wie sie sagte so geschrieben wie ausgesprochen. Außerdem ist auch ein  kleiner Diallektunterschied zu dem was wir hier lernen.

Silav
Xerîb

Offline berfin

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Re: Karl May
« Antwort #3 am: September 19, 2011, 08:58:11 Vormittag »
Aber es ist schon erstaunlich, dass Karl May dieses Sätze in sein Buch aufgenommen hat. Wie Conri schon sagte, ist das Buch über 100 Jahre alt und Karl May ist zeit seines Lebens nicht aus seinem sächsischem Dorf heraus gekommen. Wo mag er wohl recherchiert haben?

Was die indianischen Sprachen in seinen "Wild West"-Büchern angeht, habe ich mal gelesen, er habe sie sich ausgedacht, sie hätten so nicht existiert. Aber hier scheint es doch anders zu sein.  :)

Silav
Berfin

Offline Shari

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Re: Karl May
« Antwort #4 am: September 20, 2011, 05:52:56 Vormittag »
Hevala Conri,
gotara te gelekî bala min dikishîne! Gelekî sipas jibo gotara te ya balkesh.
Dein Bericht hat mich sehr interessiert, vielen Dank für deinen interessanten Bericht!
Silavên germ
Shari

conri21

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Re: Karl May
« Antwort #5 am: September 20, 2011, 11:41:48 Vormittag »
Rojbash, hevala heja,
erê Karl May gelekî balkesh e, spas ji bo alîkariya te ;)

übrigens,  liebe Berfin, stimmt das nicht, dass Karl May nie aus seinem sächsischen Dorf herausgekommen ist, er hat manche seiner Werke in der Schweiz geschrieben, ist in Deutschland herumgereist (er hielt Vorträge - den letzten eine Woche vor seinem Tod), und ich glaube auch in Frankreich (er sprach Französisch) und hat um 1900 eine einjährige Reise in den Orient unternommen, die ihn bis nach Indonesien führte, im Jahr 1908 reiste er für 6 Wochen nach Nordamerika und schrieb dann "Winnetou 4".
Natürlich gab es auch damals viele andere Leute, die weite Reisen unternahmen, (Sven Hedin z. B.), aus deren Berichten hat er viele Infos entnommen und auch Sprachführer, bzw Lexikas verwendet. Damals bestand ja eine enge (politische) Verbundenheit zwischen dem Deutschen Reich und dem Osmanischen Reich, so dass wohl genug Infos über die dort gesprochenen Sprachen zur Verfügung standen. Reiseberichte aus Nordamerika gab es auch und soweit ich das sehe, ist keine der Fremdsprachen, die May in seinen Romanen verwandte, nur ausgedacht, allenfalls fehlerhaft.

silavên germ û rojekî xwesh
Conri
« Letzte Änderung: Oktober 08, 2011, 09:26:09 Vormittag von conri21 »

Offline berfin

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Re: Karl May
« Antwort #6 am: September 25, 2011, 09:46:02 Vormittag »
Hmm, da habe ich mich ja ziemlich blamiert  :-[ :-[ :-[ Aber wenigstens ist es so, dass er die Bücher geschrieben hat, bevor er in die entsprechenden Länder gereist ist  ;)

Ich wollte seine Bücher auch nicht herabmindern, meinte nur, dass es damals ungleich schwieriger war als heute, an Informationen über nicht so gängige Sprachen wie Kurdisch oder indianische Sprachen zu kommen. Es muss unendlich viel Vorarbeit in seinen Büchern stecken.

Silavên dilovanî
Berfin

conri21

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Re: Karl May
« Antwort #7 am: Oktober 08, 2011, 09:38:08 Vormittag »
silav hevala heja !

nein, du hast dich gar nicht blamiert, wer weiss schon alles, ausserdem denken viele über Karl May so wie du es geschildert hast! Auch habe ich es nicht so verstanden, dass du die Bücher herabmindern wolltest!
Mit Sicherheit steckt da eine Menge Arbeit dahinter und May schrieb selbst, dass er so manche Nacht durchgearbeitet hat.
Übrigens ist er anscheinend einer der ersten (westlichen) Autoren gewesen, die das Land der Kurden Kurdistan genannt haben, weswegen türkische "Hardliner" ihn wohl heute noch mit Skepsis betrachten.
Er lässt seinen Helden Kara Ben Nemsi oft für die Kurden eintreten und ihn auch einmal auf Seiten der Jeziden kämpfen (siehe Band 1 und 2 - "Durch die Wüste" und "Durchs wilde Kurdistan")

Silav û rez
Conri